Entwicklung des Schafes

Wolle stammt meist vom Schaf, die es in Europa und Asien seit rund 2,5 Millionen Jahren. Vor der Eiszeit hatten sie noch die Größe von Ochsen. Um 9.000 v. Chr. wurde das Schaf in Südostasien gezähmt, als erstes Haustier, das den Menschen nährte und kleidete. Seit 10.000 Jahren wird Wolle für Bekleidung verwendet und gilt als das älteste textile Material. Bis ins 19. Jh. war Wolle eine wichtige Handelsware, die Reichtum und Macht bedeutete.

Merinoschafe

Heute gibt es weltweit etwa eine Milliarde Schafe und mehr als 200 Rassen. Australien, Neuseeland und Südamerika sind dabei die wichtigsten Produktionsländer. Die häufigsten Rassen sind Lincoln und Merino, wobei die Merinoschafe eine äußerst feine und gekräuselte Wolle liefern. Seinen Ursprung hat das Merinoschaf in Nordafrika und kam vermutlich gegen Ende des 12. Jh. nach Spanien. Der Handel mit der weichen, feinen Wolle hatte große Bedeutung für Spanien, das den Wollhandel über Jahrhunderte beherrschte und lange Zeit die Ausfuhr von Merinoschafen verbot. Seinen Namen erhielt das Schaf im 15. Jh. von den königlichen Schafinspektoren, den „Merinos“.

Optimale Isolation

Die gekräuselte Struktur der Wollfaser bindet viel Luft und begünstigt so die Wärmeisolation. Die Luft zwischen den Fasern verringert den Wärmeaustausch im Material und wirkt somit isolierend gegen Kälte und Wärme. Merinowolle kann bis zu 40 Kräuselungen pro Zentimeter haben, was eine hohe Isolation ergibt. Die Kräuselungen der Faser bedeuten auch weniger Kontaktpunkte zwischen Material und Haut, was von Vorteil ist, da Luft gebunden und Wärme nicht abgeleitet wird. Die Merinowolle wärmt auch in feuchtem Zustand! Bei intensiver Aktivität oder hoher Umgebungstemperatur produziert der Körper zum Kühlen Schweiß und der Feuchtigkeitsgehalt steigt. Wolle ist hygroskopisch und in der Lage, Wasserdampf – also Körperfeuchtigkeit – aufzunehmen. Sie kann Feuchtigkeit sowohl in der Faser als auch zwischen den Fasern einlagern. Wolle kann bis zu 30 % des Eigengewichts an Feuchtigkeit absorbieren, ohne sich dabei feucht anzufühlen. Wenn die Feuchte auf der Innenseite der Wollbekleidung höher ist als auf der Außenseite, absorbiert die Wolle die Feuchtigkeit, um sie anschließend durch das Material zu transportieren, bis ein Gleichgewicht zwischen beiden Seiten hergestellt ist. Indem die Feuchtigkeit nach außen transportiert wird, erhöht sich die Wärmeisolation und der Träger bleibt trocken.

Wolle produziert auch Wärme, wenn sie feucht ist. Bei der Aufnahme von Feuchtigkeit entsteht in einem exothermischen Prozess sog. Absorptionswärme. Wärmeenergie entsteht, wenn Wassermoleküle und polare Molekülgruppen der Fasern kollidieren. Die hierbei auftretenden Kräfte sind so stark, dass Wärme entsteht. Der Prozess vollzieht sich, bis die Fasern mit Wassermolekülen gesättigt sind.

Pflegeleicht und selbstreinigend

Wolle hat einen selbstreinigenden Effekt und riecht nicht unangenehm. Das Kreatin in der Wolle baut auf natürliche Weise übelriechende Bakterien auf der Haut ab. Der Kern der Wollfaser besteht aus zwei unterschiedlichen Zelltypen, die verschiedene Mengen Feuchtigkeit aufnehmen und daher unterschiedlich stark anschwellen können. Hierdurch entsteht ein konstanter Reibungsprozess, der einen mechanischen Selbstreinigungseffekt bewirkt.

Feuchte Oberflächen von Textilien begünstigen den Bakterienbefall. Die Oberfläche der Wollfaser bleibt jedoch relativ trocken, da sie wasserabweisend ist. Dies hemmt den Bakterienbefall und damit schlechte Gerüche. Wollbekleidung muss deshalb nicht so häufig gewaschen werden, sondern kann ebenso gut bei feuchter Witterung gelüftet werden. Der Wasserdampf, der das Kleidungsstück passiert, transportiert Schmutzpartikel und schlechte Gerüche ab.

Maschinenwaschbar

Die Oberfläche der Wollfaser weist eine schuppenartige Struktur auf, wodurch sich Wolle beim Waschen verfilzen kann. Die Schuppen können aber durch Behandlung entfernt werden, so dass die Wolle maschinenwaschbar wird.

Mikronzahl

Die Mikronzahl ist ein Qiualitätsmerkmal für die Feinheit von Wolle. Sie gibt die Stärke der Fasern in tausendstel Milimeter an. Feine Wolle bewegt sich zwischen 17 - 23 Mikron. Grobe Wolle bewegt sich meist im Bereich von über 28 Mikron und kann als kratzig empfunden werden.